
Der gefährlichste Aspekt der Resolution liegt in ihrer Sprache. Die Einstufung des transatlantischen Sklavenhandels als das »schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit« ist mehr als nur eine unglückliche Wortwahl. Es ist der Versuch, eine moralische Rangliste des Leidens zu erstellen. Wenn ein Verbrechen das »schwerste« ist, werden alle anderen – der Holodomor in der Ukraine, der Völkermord an den Armeniern, das Massaker in Ruanda und ja, auch die Schoa – unweigerlich zu Verbrechen zweiter Klasse degradiert.
Durch die Bezeichnung als »das schwerste Verbrechen« bricht die UN mit dem völkerrechtlichen Prinzip, dass Genozide und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in ihrer Schwere nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Diese sprachliche Eskalation dient dazu, die Singularität der Schoa (den industriellen, staatlich geplanten Massenmord zur totalen Vernichtung eines Volkes) aufzuweichen. Wenn alles »das Schlimmste« ist, ist am Ende nichts mehr einzigartig.